Dieser Bericht schildert die persönlichen Eindrücke unserer Lofotenreise im Sommer 2002. Nach einigem zögern konnte ich Renate davon überzeugen mit mir in den „kalten“ hohen Norden zu ziehen. Diese Reise traten wir wegen nur 14 Tagen Urlaub mit dem Flugzeug an. Trotz des Fluges nach Kiruna legten wir in diesen wunderschönen Tagen ca. 3000 km mit dem Auto zurück. 1000 Kilometer von Kiruna zu unserer Rorbuer in Ballstad und retour, die restlichen 2000 Kilometer auf den Lofoten, wenn möglich auf einsamen Küstenstraßen. Wir wünschen unseren Besuchern viel Spaß beim Lesen des Berichtes und Betrachten der Bilder. Vielleicht können wir dazu beitragen das Nordfieber und die Sehnsucht nach diesem einmaligen Fleckchen Erde zu lindern.
Freitag, 5.7.02
Endlich ist es soweit. Alle Koffer gepackt, alles erledigt und seit Tagen aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Noch 5 Stunden Schlaf dann geht es endlich los.
Es ist kurz vor 7 Uhr morgens, wir stehen in Frankfurt am Flughafen und besteigen die Linienmaschine nach Stockholm. Von Stockholm geht es weiter mit einer SAS Maschine nach Kiruna. Der Blick von oben auf die Landschaft Nordschwedens ist einfach traumhaft. Das Publikum an Bord ist bunt gemischt. Einheimische, Touristen, Familien, Reisegruppen, Einzelreisende und wir zwei natürlich.
Freudestrahlend steigen wir aus dem Flugzeug, unserem Ziel bereits ein großes Stück näher. Der Flughafen in Kiruna ist so groß, dass die Empfangs- und Abflughalle mit den Passagieren eines Flugzeugs fast zu 100% ausgelastet ist. Ein amerikanischer Tourist vor uns bekommt einen Lachanfall und meinte, er habe nie im Leben einen solchen Flughafen gesehen.
Es ist 12 Uhr mittags und wir sitzen in unserem fast nagelneuen, feuerroten Mietwagen (Audi A3) und die Reise geht weiter Richtung Narvik. Bereits nach 50 km begegnen wir einem Polarfuchs und einem Rentier. Die Straße wirkt fast störend in dieser unendlichen Weite Lapplands. Um 18.45 erreichen wir endlich Melbu. Gerade ist uns die Fähre vor der Nase weggefahren und die nächste geht erst in 2 Stunden. Was soll’s! Endlich eine wohlverdiente Pause ! Wir informieren unseren Vermieter über die Verspätung, er stellt uns Bettzeug und Schlüssel vor die Rezeption und wir kosten unsere gerade erworbenen Lebensmittelvorräte. 20.30 ist es jetzt. Das Wetter ist durchwachsen bei ca. 12° C. Die Fähre legt ab. Eine Tasse Schwarztee weckt unsere Lebensgeister oder das, was noch davon übrig ist. Wir haben immer noch 2 Std. Fahrt vor uns. Die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet ist faszinierend, obwohl Wolken und tiefhängender Nebel einiges nur erahnen lassen. Auf einmal, gerade hinter einer Kurve, viele Autos parkend am Straßenrand, eine Menschenmenge alle mit Blickrichtung Meer. Wir halten an und steigen aus.
Ein Pottwal hat sich in den Rolvsfjorden verirrt und findet keinen Weg zurück. Einheimische beratschlagen was zu tun ist. Wir fahren weiter. Es ist kurz vor 11 Uhr abends. Wir sind in unserer Rorbuer angekommen. Müde aber glücklich.
Nach kurzem Sonnenschein fängt es an zu regnen. Wir haben gut und erholsam geschlafen in dieser Nacht ,die keine war.
Wir fahren zur Südspitze nach Å. Ein kurzer Rundgang, dann Regen und nix wie ab ins Museum.
Die Lofotenbakkerie – lecker
Die Trankocherei – igitt und dann
Das Torrfiskmuseum – Grusel-Grusel
Ein Vollblutnorweger, Sohn eines Walfängers, lädt uns ein zwischendurch einen Kaffee zu trinken und einen Keks zu nehmen, aber bitte nur einen Keks.
Nach einem Mittagsschläfchen kommt die Sonne durch. Jetzt aber ! Es ist 20 Uhr und der Rucksack ist gepackt. Wir steigen 459 m hoch und genießen einen traumhaften Ausblick. Erst gegen Mitternacht sind wir zurück, beinahe mit Sonnenbrand.
Montag, 8.7.02
Die Sonne scheint! 15 – 20 °C WOW !
Unsere Küstenwanderung entpuppt sich als etwas schwieriger als gedacht und obwohl wir den Wegweisern folgen, finden wir uns recht bald an einem recht steilen Abhang wieder. Nach 2 Frühstücksbroten, 1 Banane und ½ Stunde Pause treten wir (vorsichtshalber) den Rückweg an. Die Fernsicht ist riesig. Wir können sogar das Festland sehen.
Gernot ist heute ruhelos und hat das nächstbeste Ruderboot gekapert. Teleskoprute, Multirolle, Plastiktüte und los geht´s.
Ich sitze schreibend in der Sonne vor unserem Rorbuer. Gerade habe ich die Bekanntschaft mit unseren kurzfristigen „Untermietern“ gemacht. Er Italiener – Sie Schweizerin. Die beiden suchen verzweifelt die Restaurants?! Am besten „All Inklusive“. Sie sind das erste Mal in Norwegen!!!!!
Gernot kommt zurück, unser Abendessen auch.
Die Sonne scheint! (Immer!)
Heute machen wir eine Rundfahrt Austvagoy – Vestvagoy „Touristenroute“ eben. Unterwegs sehen wir unseren Pottwal wieder, inzwischen allerdings tot.
Wir sind früh zuhause (gegen 17.00). Ich verfalle in einen Monsterschlaf.
Da bin ich wieder und gleich nach dem Frühstück geht´s los. Wir fahren nach Stamsund. Einfache Wanderung ist heute angesagt. Laut Touristenführer leichte, gut markierte Strecke. Zusammen mit einer Familie aus Belgien gelingt es uns irgendwann den Ausgangspunkt und etliche Höhenmeter später auch den Weg zu finden. Aber oben hat sich der Weg mal wieder mehr als gelohnt!
Zurück fahren wir über die alte Küstenstraße bei Ure/Sennesvika.
Heute sind wir früh wach. Die Sonne scheint seit Stunden intensiv. Es ist schon sehr warm,ca. 25°C. Heute laufen wir die Küstenstrecke Nesland – Nusfjord. Nesland ist eines der wenigen ursprünglich erhaltenen Fischerdörfer und war zeitweise ausgestorben. Inzwischen ist es wieder bewohnt. Laut Wanderführer liegt eine einfache, kinderleichte (-geeignete) Wanderung vor uns,ca. 2 Stunden einfacher Weg. Nach etwa 40 Minuten Wegstrecke mit traumhaftem Ausblick müssen wir eine allerdings gut markierte Strecke über Felsen klettern. Langsam wird es heiß ,nahezu 30°C. Weitere 40 Minuten später ein Abhang mit Erde, Fels, Geröll und einer Stahlkette zum herunterlassen. Auf halber Höhe zwischen Himmel und Erde treffen wir unsere flämischen Wanderfreunde wieder. Unter großem Gelächter wird der nächste eventuelle Treffpunkt anvisiert. Nach gut 2 Stunden erreichen wir Nusfjord, das wohl am besten erhaltene Fischerdorf in den Lofoten, ein idyllisches Fleckchen Erde inmitten hoher Lofotberge. Gleich um die Ecke, der uns schon bekannte Geruch von Stokkofisko. Hier gibt es auch noch Lagerhäuser voll mit Stockfisch. Die Bustouristen sind auch da, naserümpfend, angeekelt und die Einheimischen haben Ihren Spaß. Wir auch ! Sehr dekorativ sind auch getrocknete Breiflappköpfe (Seeteufel) als Mobile im Hausgang aufgehängt!!
Ich bin k.o. Gernot läuft alleine zurück um das Auto zu holen. Es ist 18.00 Uhr abends und wir haben hier 30°C. Wir fahren zurück zu unserer Rorbuer und machen eine kleine Pause, Heute ist der Himmel klar, das heißt die Mitternachtssonne ruft.
Wir pilgern nach Eggum, ein Küstenort auf Vestvagoy. Wir wandern die Küste entlang, die Sonne steht tief und rot im Norden und von der See kommt ein warmer leichter Wind. Es sind relativ viele Menschen unterwegs in dieser Nacht die keine ist. Der rote Ball am Horizont, er geht nicht unter. Ein neuer Morgen noch bevor es Nacht wird. Wir fahren zurück in unsere Rorbuer und verdunkeln für ein paar Stunden Schlaf.
Die Wolken hängen tief und es schüttet. Unsere Nachbarn, ein Trupp kampfangelnder Rentner von 65 – 80 Jahren, ist heute abgereist Richtung Rheinland. Sie haben ca. 300 kg Fischfilet in Ihrem Kühlanhänger.
Das Wetter ist genau richtig für das Lofotmuseum und Aquarium. Am frühen Abend kehren wir zurück und siehe da: Angelwetter!
Hilfe, ein neuer Trupp Kampfangler aus Kleve ist eingetroffen. Dort muss es einen rührigen Reiseveranstalter geben.
Das Wetter ist wieder wunderschön. Es ist 10.00 Uhr und unsere Kampfangler sind immer noch am filetieren. 200 kg Filet brachte diese eine Nacht = ca. 600 kg Fisch. Wir fahren die Strecke nach Sorvagen. Tolles Panorama in Reine. Von Sorvagen aus wollen wir zur Munkebu Hütte laufen. Ca. ½ Stunde vor der Hütte kehren wir um. Ich habe genug für heute von Rutsch- und Kletterpartien über Felsen. Auch wenn wir den schönsten Aussichtspunkt nicht erreicht haben, ist die Tour trotzdem sehr schön. Auf der Rückfahrt genießen wir das Panorama in einem Lichtspiel aus Wolken und tiefstehender Sonne. Plötzlich Polizei und Taucher am Straßenrand. Einen Moment später sehen wir, dass ein Wohnmobil in den Fjord gefahren ist. Wahrscheinlich von der Straße abgekommen und kopfüber 10 -20 Meter ins Wasser. Hoffentlich ist noch zu helfen. Eine viertel Stunde später begegnet uns ein Rettungswagen. Einsätze sind hier nicht so sehr schnell möglich!
Nach dem Abendessen, es gibt heute Graupensuppe mit Lachsbrot, geht Gernot wieder angeln. Petri Heil! Morgen ist Sonntag und ich hätte gerne Fisch zum Middag. Im Ernstfall gibt es Kartoffeln mit Ei!
Es gibt keine Kartoffeln mit Ei. Wir gehen heute Fisch essen in Kramervika. Wir fahren nach Svolvaer, aber die Fähre (Ausflugsboot) zum Trollfjord fährt nicht. Zu wenig Teilnehmer. Wir fahren weiter,vorbei an der Kirche von Gimsoy, mit Drahtseilen festgebunden, und dann nach Hennigsvaer. Hilfe Touristen! Schöner Ort, schöne Aussicht, zu viele Menschen. Wieder zurück, gehen wir unseren Fisch essen. Wir haben einen lustigen Abend mit unseren Tischnachbarn, ein Schotte mit einer Japanerin. Sie sind beide zusammen"On Tour" mit Rucksack. Andreas ( unser Sohn ) wird heute 16 Jahre alt und kämpft sich wahrscheinlich gerade mit dem Kanu durch Südfrankreich.
Die Sonne scheint immer noch. Es ist wolkig und windig, aber schön.
Wir machen eine leichte Küstenwanderung mit super Aussicht. Hinter Fredvang zur Mulstoa Hütte. Viele weiße Sandstrände gibt es hier. Einfach unglaublich vor dieser Kulisse. Der Sand ist reiner Muschelkalk ,mehr oder weniger fein gemahlen.
Gernots Angelversuche beschränken sich wieder auf Minifische. Ihm fehlt ein Motorboot. Wir haben bereits eine Route für die nächsten Tage ausgeguckt, wenn das Wetter hält. Heute gibt es Kjöttböller mit Nudeln. Schmeckt besser wie es sich anhört.
Heute ist uns nach Wikingermuseum in Borg. Sehr interessant. Übrigens die Wikinger hatten keine Hörner auf ihren Helmen. Das Größte am Ausflug ist die Fahrt mit dem Wikingerschiff. 20 Mann müssen rudern, wir auch. Unser Wikinger singt norwegische Seemannslieder und etliche Norweger singen mit. Vor der Fahrt wird er gefragt: Wo rudern wir hin und wie lange dauert es? Er antwortet: Island oder Britische Inseln und mindestens 2 Monate!
Heute manchen wie eine Rundwanderung von Haukland über den alten Postweg nach Uttakleiv und am Strand zurück. Wir entdecken sehr schöne Steinformationen am Wasser. Abends kehren wir zurück wegen der Mitternachtssonne, doch heute sind zu viele Wolken. Kurz vor Mitternacht erscheint ein Trupp französischer Jugendlicher. Sie gehen an den Strand. Drei davon gehen unter großem Gelächter der anderen baden. Sieht verdächtig nach Mutprobe oder verlorener Wette aus.
Wir stehen heute verdammt früh auf so gegen 9.00 Uhr. Das Wetter ist schön und wir wollen mit dem Ausflugboot in den Trollfjord fahren. Auf der Fahrt nach Svolvaer laden wir zwei deutsche Rucksacktouristen ein. Sie sind auf der Durchreise nach Narvik (Scanrail). Wir kommen zum Boot – alles belegt und es fängt an zu regnen. Wir fahren wieder zurück über die Küstenstraße via Mortland. Der Mittagsschlaf wird etwas umfangreicher als sonst. Gernot geht erneut versuchsweise Fischen……………, wir gehen heute Abend Essen ins nächste Fischrestaurant (Haha es gibt ja nur eins!).
Wir fahren noch einmal nach A. Noch ein letztes Mal das Panorama der Südspitze. Unterwegs kaufen wir Fisch. Heute gibt es Catfish. Wir hätten auch Breiflabb, Lachs, Köhler, Stockfisch oder Walfleisch haben können. Wir besuchen ein paar Souvenirläden und beschließen, dass wir das nun doch nicht mit nach Hause bringen. Es wird Zeit zu packen. Hatten wir wirklich so wenig Gepäck?
Ein letztes Mal müssen wir noch die Mitternachtssonne bewundern.
Schweren Herzens treten wir die Heimreise an. Die Fähre bringt uns von Fiskebol nach Melbu. Diesmal bei schönstem Sonnenschein. Am Festland angekommen machen wir eine kurze Pause in Stokmarknes. Hilfe! Menschen!
Weiter geht es Richtung Narvik und dann Richtung Kiruna. Am Abisko Nationalpark machen wir Pause. In der Rezeption besuchen wir eine Ausstellung, einen sehr interessanten Diavortrag und den „Überlebensshop“. Hier gibt es Nahrung in kompakter Form, Hightech Trekkingkleidung, GPS …..
Gegen Abend sind wir in Kiruna und mieten uns dort im SAS ein.
Wir finden sogar eine Kneipe zum Abendessen (Goldener Löwe)!! Lecker Rentiergeschnetzeltes mit Presskartoffeln und Preiselbeeren oder Rentierfilet vom Feinsten.
Wir lernen einen Norweger aus Narvik kennen und haben einen sehr unterhaltsamen Abend. Als wir ihm erklären, dass wir aus der Nähe von Frankfurt kommen, ist er geschockt. Für ihn ist das ein kleiner Fleck auf dem 2 Millionen Menschen leben.
Schrecklich !
Wir haben gut gefrühstückt und gepackt. Noch ein kleiner Ausflug nach Jukkasjärvi im Sommer. Igluübernachtungen sind dort inzwischen auch im Sommer in einer Tiefkühlhalle möglich.
Dann geht’s Richtung Flughafen. Wir geben unser Auto ab und checken ein…..beinahe haben wir in Stockholm unseren Anschlussflieger verpasst, …last Minute und los………………